Manufakt 8804 Wädenswil
27. November 2021

Der Architekt

 
 

In erhöhter Hanglage in Wädenswil ist der zweite Manufakt-Bau in Entwicklung. Die Grundlagen sind gescha‹ffen und werden von der Absicht begleitet, äquivalente Industrie- und Gewerbegebäude zum Manufakt 8048 zu erstellen. Eines, das den Gesetzmässigkeiten der im Whitebook etablierten Grundsätze folgt zur Entwicklung einer authentischen Marke. Ein Gedankenaustausch mit Marc Zicklam, dem Gesamtleiter von Theo Hotz Partner AG, über Branding, Authentizität – und wieso Gebäude auch Botschaften aussenden.

 
 
Frank Joss: In der Automobilbranche nimmt das Branding zur Schaffung einer unverwechselbaren Markenidentität einen immer höheren Stellenwert ein. Welche Bedingungen muss eine Architektur erfüllen, um den Status einer authentischen Marke zu erreichen?

Marc Zicklam: Die heutigen Märkte sind durch eine weitgehend als austauschbar wahrgenommene Produkt- und Markenlandschaft geprägt, sodass neue Positionierungsfelder für eine erfolgreiche Markenprofilierung gefunden werden müssen. Einen Ansatzpunkt bietet das Konzept der Authentizität. Die Identität beruht auf einer gestalterischen Reduktion auf das Wesentliche. Nicht-Notwendiges kann man in Gewerbehäusern selten brauchen. Mit weniger mehr zu erreichen, mit geringem Ressourcenverbrauch mehr Nutzwert zu generieren, ist vor diesem Anspruch ein zentrales Anliegen. Manufakt entfaltet seine Kraft aus der Sichtbarkeit der Materialien, Industrieprodukte wie Stahl oder Beton. Grundsätzlich wird eine Identität durch wenige, robuste und angemessene Materialien und Farben angestrebt. Im Verständnis, dass sich die Fassaden als gebautes Gesicht eines Baukörpers darstellen, sucht Manufakt nach einer direkten und ehrlichen Authentizität. Ausdruck und Inhalt entsprechen sich. Flexibilität und Einfachheit sind dabei ebenso wichtig wie Wertigkeit und Beständigkeit. Wichtig für die Authentizität ist aber vor allem auch die Programmierung der Flächen. Manufakt ist ein mehrgeschossiges Multi-Tenant-Gewerbehaus für lokales und regionales Gewerbe mit Visionen.

Manufakt schafft dabei eine neue Art von Gewerbeliegenschaften. Durch einen klaren Fokus auf wenige Hauptleistungen – kompakte, kleine Mietflächen – und einem neuartigen, überdurchschnittlichen Angebot an Nebenräumen zu einem fairen Preis. Anders als bisherige Gewerbehäuser erhält der Mieter ein hochwertiges Raumangebot an geteilten und nur nach Bedarf nutzbaren Sitzungszimmern, Flex Offices, Begegnungszonen. Verpflegungsmöglichkeiten werden in Selbstbedienung angeboten. Damit sinken die direkten Raumkosten und die Betriebskosten für die Zusatzflächen. Die Eigentümer erhöhen durch das breitere und vielfältigere Mietangebot ihre Vermarktungschancen und gewinnen neue Ertragspotenziale.

 
Gerade beim Lifestyle-Produkt Auto tritt die Transportfunktion in den Hintergrund. Vielmehr will der Kunde damit auch Lebensphantasien, sinnliche Werte und Sozialprestige einkaufen. Welche Phantasien des Lebens kann man über die Architektur erreichen?

Unsere Lebensverhältnisse sind kompliziert, Lebensphantasien sehr unterschiedlich. Arbeits- und Wohnwelten stehen im Zeichen permanenter Überreizung und Überforderung physischer und psychischer Koordination und Kontrolle. Architektur sollte daher dazu beitragen, die Lebensverhältnisse zu entspannen und das Leben erleichtern, anstatt ein aufdringliches Eigenleben zu führen.

 
Durch die Analyse veränderter architektonischer Anforderungen und bereits realisierter Objekte wird eine neue funktionshybride Gebäudetypologie definiert. Reicht das Whitebook weit genug, um daraus abgeleitete Planungskriterien sicher verfolgen zu können?

Kollektive und individuelle Identität schliessen sich bei Manufakt bewusst nicht aus, sondern bedingen einander geradezu. Um dies zu ermöglichen, besteht die Idee einer äusseren und einer inneren Adresse, welche durch Erschliessungshöfe als identitätsstiftende Dreh- und Angelpunkte ermöglicht werden. Auf Basis einer verbindenden, gemeinsamen und übergeordneten Gesamtidentität, sollen sich die einzelnen Nutzer dabei individuell präsentieren können.

 
Sind Sie zuversichtlich, mit den geschaffenen Brandingrichtlinien Qualität und Spirit des Manufakts herauskristallisieren zu können; mit der Absicht, eine unverwechselbare und einzigartige Marke aufzubauen?

Zunächst möchte ich erwähnen, dass gute Architektur und alle damit verbundenen Ideen immer in Teamarbeit entstehen. Das Whitebook ist das Ergebnis vieler Experten auf ihrem Gebiet, welche durch die Firma Steiner koordiniert wurden. Die gesamte Entwicklung und Redaktion der Marke sowie des Whitebooks wurde durch die Firma Steiner initiiert und vorangetrieben.

 

Die eigentliche Markenwelt von Manufakt wurde dabei durch die Branding Architektur schneiterpartner AG, Zürich kuratiert. Der Architekt hat zur Marke Manufakt sowie zum Whitebook einen Anteil beigetragen und vielleicht auch durch den damaligen Wettbewerbsbeitrag vom Manufakt 8048 einen wichtigen initialen Anstoss gegeben. Als Architekt ist für mich jedes Projekt anders. Damit die übergeordneten Ideen von Manufakt auch bei unterschiedlichen Projekten greifen, wurden diese teilweise bewusst recht allgemein formuliert. Die im Whitebook formulierten Ideen und Richtlinien schärfen aber den Blick für das Wesentliche und tragen stark zur Gesamtauthentizität von Manufakt bei. Manufakt ist überzeugt, dass wer sich vernetzt, mehr Potenzial hat.

 
Für das Branding Manufakt bedeutet dies, dass innerhalb kürzester Zeit zu erkennen sein muss, wofür der Name Manufakt steht. Wie viel Zeit braucht es, um Manufakt in der Öffentlichkeit als Marke zu positionieren?

Der Aufbau einer Marke geschieht weder über Nacht noch zufällig. Es bedarf eines soliden Plans, einer durchdachten Ausführung, sowie etwas Geduld. Das Whitebook ist in diesem Zusammenhang ein wichtiges Instrument, da es hilft übergeordnet die Marke zu veranschaulichen.

 
 
Die Konzeption und Umsetzung eines Markenimages, so ist es in der Konsum- und Luxusgüterbranche, müssen folglich immer unter Berücksichtigung der Images der Konkurrenz erfolgen. Hat man ein sogenanntes Benchmarking gemacht?

Insofern dass man natürlich im Vorfeld intensiv recherchiert und verglichen hat. Diese Recherche war in vielerlei Hinsicht wichtig. Natürlich will man auch von guten Ideen profitieren. Es gilt dabei auch, sich bewusst abzugrenzen um eben das eigene, authentische Projekt etablieren zu können.

 
Wann ist für Sie eigentlich eine Marke eine im Markt anerkannte Marke?

Wenn man sich bewusst für Manufakt entscheidet. Eine Identifikation mit Manufakt ist zentral.

 
Kann Architektur die Wahrnehmung auf eine Person, ein Unternehmen oder eine Marke gezielt verändern und damit als sinnvolles Kommunikationsmittel eingesetzt werden?

Über die Architektur von Gebäuden lassen sich Botschaften formulieren, die implizit wahrgenommen und verstanden werden. Dies kann auf sehr plakative Weise geschehen, wie z.B. bei Sakralbauten oder auch den weltweiten Apple Stores aber auch subtiler, einfach durch gute Gebäude. Für mich ist das bewusste Zurücknehmen von Architektur, die unaufdringliche, auf das Wesentliche reduzierte Erscheinung der Dinge in aller Regel bereits an sich wichtig. In energetischer und ökologischer Hinsicht ist die Reduktion unverzichtbar. Für Manufakt ist ein Statement wie „less is more“ nicht einfach nur ein gestalterisches Bekenntnis, sondern in sehr direktem und wörtlichen Sinne, als verschlankendes Weglassen von Unnötigem, Überzähligem oder Addiertem zu verstehen.

 
 
Marc Zicklam, Gesamtleiter, Theo Hotz Partner AG

«Kollektive und individuelle Identität schliessen sich bei Manufakt bewusst nicht aus, sondern bedingen einander geradezu.»

 

Erfahren Sie mehr über das Projekt Manufakt in Wädenswil unter www.manufakt8804.ch.

 
0 Kommentare
Keine Kommentare gefunden!
 
Jetzt Projekte in Ihrer Nähe anzeigen!