Innovationsmeile Obermeilen
08. Juli 2020

Neue, edle Einfachheit

Text: Frank Joss Bilder: Deon Architekten

Unsere Art zu arbeiten und wohnen steht vor einem grossen Strukturwandel. Noch aber ist das Entwickeln von Immobilien viel zu wenig darauf vorbereitet, mit einfühlsamen Konzepten auf diese Zeiterscheinung zu reagieren. Es ist aber unumgänglich, der Situation ins Gesicht zu schauen. Ein Verharren in der gutschweizerischen Zurückhaltung bedeutet Stillstand statt Fortschritt. Die Zukunftsdevise kann nicht quo vadis, sondern «so vadis» heissen, um den Wohn- und Arbeitsbereich sinnstiftend zu verknüpfen. Die Innovationsmeile macht sich nun auf, das zu vereinen, was prima vista nicht immer so verheissungsvoll aussehen mag. In einer ersten gestalterischen Annäherung stand die Idee im Raum, im künftig Erbauten das Wesen eines Dampfers zu symbolisieren: Ein Kommen und Gehen; Passagen der Zeit durchschreitend.

 
 
 

 

 

 
Das ganze Entwicklungskonzept wird von Steiner gemacht. Der Lead liegt bei diesem Team:

Othmar Ulrich
Head Real Estate Development Region East

Janine Nauer-Boog
Head Real Estate Development Team Luzern

Walter Venzi
Project Manager Product Design

 

«Wer bald in der Innovationsmeile einziehen wird, hat sich nicht nur für diesen Ort entschieden, weil er an den schönen Ufern des Zürichsees liegt, weit ab vom hektischen Treiben der Stadt Zürich, die aber mit dem Auto in no time erreichbar ist, wenn man sie braucht. Sondern er will hier leben, weil er von der Idee überzeugt ist: Da zu wohnen, wo man arbeitet, und da zu arbeiten, wo man wohnt. Er wird sich aber, davon geht man bei Steiner aus, hier ansiedeln, weil’s schlicht und ergreifend ein hipper Ort mit spannender Entourage ist und er sich mit Gleichgesinnten treffen kann, ohne mit ihnen gleich dick befreundet zu sein. Er mag es, sich ohne Zwang bewegen zu können, um nicht gleich ein Etikett zu tragen, auf dem eine Gruppenzugehörigkeit ablesbar ist. Worauf es ihm wirklich ankommt: auf einen spontanen und informellen Austausch mit Leuten, die sich nicht in alltäglichen Kleinkriegen blaue Flecken holen wollen.»

Janine Nauer-Boog
Head Real Estate Development Team Luzern

 
Co-Working und -Living ja, aber mit viel individuellem Spielraum

Im Konzept des Community Livings teilen Menschen Wohn- und Arbeitsräume. Der Ruf nach Sowohl-als-auch-Lebensentwürfen wird immer lauter. So hat beispielsweise das Londoner Start-up The Collectiv eine eigene Strategie ausgetüftelt. Sie soll Möglichkeiten schaffen, die sich den Lebensgewohnheiten und Ansprüchen aufstrebender Einwohner Londons anpassen. Entgegen dem Trend zu singulären Haushalten ist das Bedürfnis nach Gemeinschaft unaufhaltsam da. Micro Living = Lebensqualität. Bei der Londoner Generation «Anywhere» – den Kreativen, Freelancern, Teilzeitbeschäftigten und Start-up-Gründern – werden also temporär genutzte Arbeitsräume mehr und mehr zu Wohnungen. «Wir arbeiten, wo wir wohnen; wir wohnen, wo wir arbeiten. Wir leben die Idee von «Co-Creation». Ob da wohl eine neue, edle Einfachheit unsere doch eher starren Lebensgewohnheiten gründlich aufmischen wird? Die Antwort liegt in der Zukunft. Aber eigentlich ist diese Form des Zusammenlebens eine alte. «Nehmen wir das Zürcher Niederdorf als gutes Beispiel dafür: Hier wohnt der Gerichtsschreiber Tür an Tür mit dem Antiquar, die Schuhdesignerin mit dem Zahnarzt, die Blumenfrau mit dem Manager oder der Imbissverkäufer mit der Professorin der Philosophie. Zum genüsslichen Verweilen und Gedankenwälzen trifft man sich auf der Gasse.» Ein klares Statement von Othmar Ulrich, Leiter Immobilienentwicklung Steiner East, das so leicht nicht wegzureden ist.

 
 
 
Zukunft braucht neugierige Menschen. Die Innovationsmeile ist ein herzhaftes Manifest dazu.

Im Lokalen muss entstehen, was später auch in der Stadt funktionieren soll. Ziel muss sein, Orte zu schaffen, in welchen Nachbarschaftliches aktiv eingebunden ist: sozial, wirtschaftlich und ökologisch. Es ist auch in der Schweiz zu beobachten, wie die Nachfrage nach neuen Wohn- und Lebensformen zunimmt. Extrem. Insbesondere in der Stadt, aber auch in Gemeinden, die direkt ans urbane Leben angrenzen. Auch die Innovationsmeile Obermeilen folgt beim Zusammenwirken von Gewerbe- und Wohnräumen nicht dem Schema «Trennung» von «hier wohnen, da arbeiten». Im Gegenteil, sie umspannt die Idee, dem gesteigerten Bedürfnis zum Experimentieren an anderen Lebensformen gerecht zu werden. Die Idee wird die Art und Weise verändern, wie Menschen sich entscheiden, ihr Leben zu gestalten. Wohnen soll über die eigenen vier Wände hinausgehen. Trotz des steigenden Trends zu Single-Haushalten ist das Bedürfnis nach einer frei wählbaren Gemeinsamkeit nicht mehr wegzudiskutieren. Die Bausteine, welche es für dieses intelligente Miteinander braucht, sind da. Es geht nur darum, sie klug und bewusst zusammenzufügen. Die Innovationsmeile leistet einen bedeutenden Beitrag für eine sensible Auseinandersetzung mit den gesellschaftlich geforderten Veränderungen nach einem spannenden Lebensrhythmus.

 
 

Das Regelwerk einer wirtlichen Stadt ist ja eigentlich schon sehr alt: Eine Stadt, ein Quartier ist nur dann attraktiv, wenn der Kern bewohnt ist – dicht und bevölkert von Menschen ganz unterschiedlicher Kulturen und Lebensansichten. Quintessenz: Gefragt sind Orte, in welchen wir auch geistig frische Luft holen. Noch zu oft sind wir gefangen im selbstverordneten Plan vom perfekten Leben. Müssen wir also wieder lernen, ein wenig neugieriger in die Zukunft zu gehen? Ohne dabei genau zu wissen, wo sie uns hinführt? Die Innovationsmeile ist ein kleines, wohlgesinntes Manifest dafür, aus den Ruinen der Gewohnheit auszubrechen, um lustvoll unbekanntes Territorium zu betreten.

 
Die Innovationsmeile hat ein Gesicht

Thesenjournalismus ist gegenwärtig en vogue. Doch wer sich mit einer These auf die Socken macht, um die weltumspannende Wahrheit zu finden, wird letztlich beweislos zurückkehren. Frustriert und duckmäuserisch, in Anlehnung an Galileo Galilei verkünden: «Und sie dreht sich doch.» Gemeint ist dann nicht die Erde, die um die Sonne kreist, sondern die Wahrheit, die sich dreht und wendet, je nachdem, woher der Wind gerade weht. Die Innovationsmeile hat das gewisse Etwas. Noch müssen die baurechtlichen Bedingungen ins Konzept integriert werden. Nebst einer einzigartigen Architektur, dem kommunalen Okay-Stempel für die Entwicklung des Projekts, muss auch die Lage ihren Charme verströmen, ihre Attraktivität haben, damit eine gemischte Nutzung erfolgreich sein kann. Die Zeichen stehen gut. Obermeilen gehört zu einer der begehrtesten Wohngegenden am rechten Ufer des Zürichsees. Ihre Seestrasse, die Hauptschlagader des Verkehrs, wird nach und nach zu einer Stadtstrasse. Steiner AG hat mit der Schweizer SGO Liegenschaften AG, der Arealbesitzerin, 2018 einen Kaufrechtsvertrag abgeschlossen für die Liegenschaft an der Alten Landstrasse. Ihre Räume werden aktuell von gewerblichen Zwischennutzern und Start-ups belegt. Das Industrie- und Gewerbeareal liegt in einer peripheren, gut zugänglichen Lage; Industrie- und Gewerbezone nicht weit vom Meilemer Stadtzentrum entfernt. Die Steiner AG wird eine Arealentwicklung vorschlagen, die dem Zeitgeist angepasst ist. Entstehen soll ein hochwertiges architektonisches Ensemble. Das Areal wird auch künftig als Einheit erkennbar sein und die Charakteristik einer modernen Industrie- und Gewerbezone mit Wohnanteil widerspiegeln. Das ist eine deutliche Absichtserklärung. Die Innovationsmeile wird zu einem Projekt mit Eigenschaften, mit Werten heranwachsen, welche die Identität des Ortes stärken. Der Genius Loci, also die Seele des Ortes, wird in allen Ecken und Winkeln zum Anfassen spürbar werden. Im Zentrum des Entwicklungskonzepts befindet sich eine handfeste Überlegung, wonach Räume entstehen, in welchen man gleichermassen arbeitet und wohnt. Lustvoll, mit vitalem Interesse gegenüber dem Andersartigen.

 
Da ist kein Platz für Kirchenturmpolitik und Kleingeistiges

Im Mai 2019 hat Steiner AG einen einstufigen Studienauftrag lanciert. Vier Monate später haben die sechs eingeladenen Planungsteams ihre Konzepte abgeliefert. Bevor die abschliessende Jurierung stattfand, wurden die eingereichten Unterlagen einer objektiven, wertungsfreien Vorprüfung unterzogen, und das bezüglich formeller, inhaltlicher und architektonischer Themen. Die Jury, bestehend aus einem Fach- und Sachgremium mit sieben Mitgliedern, hat alle Projekte intensiv angeschaut und diskutiert. Pros und Contras wurden sorgsam abgewogen. Die einzelnen Konzepte zeigen in unterschiedlichen Teilbereichen gute, sehr gute konzeptionelle Ansätze. Nach mehreren, zeitintensiven Phasen der Beurteilung hat das Gremium vertiefte Erkenntnisse über die Umsetzung der Innovationsmeile erlangt. Im Anschluss daran wurde eine Entscheidung getroffen: Einstimmig. «The winners are»: Die Luzerner Deon Architekten in Zusammenarbeit mit der Zürcher Goldrand GmbH und intosens ag – urban solutios. Mit einer eigenwilligen Art über den Tellerrand des Gegenwärtigen hinauszuschauen, haben sie die Jury überzeugen können. Das Konzept stellt Fragen danach, was uns künftig im täglichen Leben herausfordern wird. Die Arbeit von Deon Architekten ist eine Einladung wider das Kleinkarierte, aber per Signaltausch mit der Welt von morgen.

 
 
 

Aufstieg in ein neues Bewusstsein von Wohnen und Arbeiten

 
Die Innovationsmeile spricht verschiedene Nutzer an.

Im Angebot sind Privatwohnungen mit Seesicht, ein Mix von Wohnungen mit direktem Zugang zum Arbeitsraum. Zudem stehen verschiedene Atelier-Gewerberäume, Werkstätten und Räume für Retail zur Verfügung. Fünf verschiedene Nutzungen sind auf dem Areal auszumachen.

 
1 Wohnen

Die Wohnungen in den obersten Geschossen sind für Singles, Paare oder Familien gedacht. Es sind veritable Logenplätze mit Sicht auf den Zürichsee.

 
2 Wohnen und Arbeiten

Wohn- und Arbeitsräume sind gegenseitig erschlossen. Das bedeutet viel Bewegungsfreiheit.

 
3 Innovation Gewerbe

Das Gewerbe soll zum Sinnbild und zur Identität des Projekts werden. Da wird viel Kreativität einziehen und ansteckend viel Lust und Interesse am Handwerk verbreiten.

 
4 Innovation Werkstatt

Die Innovationswerkstatt ist rückseitig zum Gewerbe und entlang der Bahnlinie positioniert. Das Raumangebot ist vorgesehen für lärmimmune Branchen wie Reparaturwerkstätten, baugewerbliche und produzierende Betriebe.

 

«Wir leben in einer zunehmend komplexen, entgrenzten Welt. Nicht nur kulturell. Nein, auch politisch, geografisch und in Sachen Technologie. Was wir in dieser Welt von «New Work» bereits gelernt haben: Wer nicht verloren gehen will, muss sich fokussieren und selbst Grenzen setzen. Auch im Bereich Wohnen und Arbeiten hat der Anspruch an Individualisierung Platz genommen. Die alles umspannende Lösung der klassisch angelegten Wohnräume wird mehr und mehr neuen Bedürfnissen der Bewohner weichen müssen. Womit sich beim Entwickeln von Wohnbauten grundsätzliche Fragen in den Vordergrund drängen: Welches ist der private und welches der Arbeitsbereich und wo beginnt der nachbarschaftlich und öffentlich gemeinsam genutzte Raum? Beim Beantworten dieser Fragen sind sich die Gestalter und Besteller von Wohnraum noch nicht wirklich einig. Was man aber schon heute und ohne falsche Zurückhaltung sagen kann: Die bunte Durchmischung eröffnet ungeahntes Potenzial an Gestaltungsmöglichkeiten, für Private so gut wie für Unternehmen unterschiedlichen Colorits.»

Othmar Ulrich

Leiter Immobilienentwicklung Steiner East

 
 
5 Retail und Dienstleistung

Die Raumauslegung eignet sich für einen grossen Retailer. Sie kann aber auch als Showroom für unterschiedliche Produkte und Objekte genutzt werden. Auch nicht so schlecht, wenn hier ein Eisenwarenhändler von altem Schrot und Korn seine Ware anböte.

 
 
 
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